13 TAGE VOR SCHLUSS:
Gut.
7 Monate meines Lebens sind nunmehr vorbei.
Weg.
Verbracht in Salamanca und einem Hotel.
Gibt’s einen Abschluss?
Irgendwas, sowas mit Strich und Plus und Minus und Geteilt?
Habe ich was gelernt?
Was hab ich gelernt?
Bin ich irgendwie anders geworden? Hab ich meine Weltweitsicht entdeckt? Weiterentwickelt, zurückentwickelt, neuentwickelt?
Gefühle entwickelt, verloren?
Freunde gefunden, verloren, vergessen?
Es ist schwer, sowas wie einen Abschluss zu machen.
Weil entweder fehlen mir die Worte, so wie fast immer, oder ich bin zu faul.
Aber ich denke, ich werde das Hiersein vermissen.
Ich werde vermissen, „Mi Niña“ genannt zu werden. Das hört sich einfach immer so abartig liebevoll an, selbst wenn man sich gar nicht kennt.
Von German immer eine mit ner Serviette umwickelte Cola zu kriegen, nur weil ich einmal gesagt hab, dass mir die Hand abfriert.
German im Allgemeinen, weil er mich von Anfang bis Ende einfach mal geliebt hat :D
Ich werds vermissen, von Alberto „Beautifuuuul“ genannt zu werden, ich werd das Frühstück vermissen, rauchend & skypend in der Abendsonne auf dem Balkon zu sitzen.
Den Lärm vom Brunnen in der Eingangshalle, die ständige Anwesenheit des Flughafenlärms.
Ich werd die Uniform vermissen, die Weltanschauung der Menschen hier, die spanische Mentalität.
Nikki Beach, San Miguel, Heinekenbar – weils da so gute Nächte drin gab.
Mit allen zusammen ‚Danza Koduro’ zu tanzen.
Mich trilingual zu unterhalten, und das meistens gleichzeitig.
Das Wetter, den Wind.
Das erleichterte Lachen von deutschen Gästen, wenn sie merken, dass sie bei mir nicht Englisch reden müssen.
Die vielen ‚Danke’.
Alle meine Praktikantenkollegen. Vergangene (Isa, Messi, Martina, Wladi), sowie aktuelle (Roberto, Kirsten, Jens, Nuria, Juan Antonio, Evy, Sarah).
Ich werds vermissen mit Hector zu arbeiten („Hvordan gor det?“), mit ihm zu wetten, welche Nationalität die ankommenden Gäste haben.
Luci, weil sie einfach die coolste Kollegin ist.
Rosana, die mir immer so tolle Zimmer für meine Besucher gegeben hat und weil sie einfach so ein mütterlicher Typ ist.
Ramón, der kubanische George Clooney, der mit 49 noch mehr abgeht als so mancher 20-Jährige.
Ich werds vermissen, kaum allein zu sein.
Ich hab in der Zeit jetzt beides erfahren, härteste Einsamkeit und das Gefühl, dass man einfach NIE für sich ist.
Ist beides nicht gut.
Ich werds auch vermissen, mich auf daheim zu freuen.
Aber wisst ihr, grad bin ich an einem Punkt, an dem ich mich hier umschau und denk: ‚Willst du eigentlich wirklich weg?’
Da hab ich auch schon mit Roberto drüber geredet und er hat gesagt, dass ich halt einfach mal fragen soll, ob sie mir noch n bisschen Zeit als Praktikantin geben und später vielleicht nen Vertrag.
So einfach ist das.
Einfach hingehen und fragen.
Und da merk ich wieder mal: OH MEIN GOTT, ICH BIN WOHL DOCH NICHT SO SPANISCH WIE ICH MIR EINBILDE.
Ich kann sowas nicht. Ich bin zu unspontan - zu deutsch für den Scheiss.
Immer noch.
Klar, ich seh alles lockerer jetzt, ich weiss, dass ich keine Angst haben muss.
Aber trotzdem.
Ich fühl mich unwohl dabei. Immer noch.
Noch ein halbes Jahr kanarischer Einfluss und ich würd bestimmt drüber weg sein.
Aaaaber gut.
Ist schon geschwätzt jetzt erstmal.
Ich freu mich ja auch auf euch zuhause.
Auf ein paar Personen besonders BESONDERS arg, aber im Grunde schon auf alles.
Naja. Nicht alles.
Ich bin gespannt, wo ich mich wohler fühlen werde.
Ich will hierhin zurückkommen.
Und seis nur für Urlaub n paar Tage.
Ich will die Menschen hier so arg wiedersehn.
Und wissen ob die mich in nem halben Jahr noch wiedererkennen.
Was ich bezweifle.
Hier kommen jeden Monat neue Praktikanten an und ich war zu schüchtern um nen bleibenden Eindruck gemacht zu haben.
Mal sehn.
Ich will trotzdem nicht den Kontakt verlieren.
Feines Facebook, feines Skype.
Ich bin der Technik dankbar.
Vorallem zu Martina nicht. Weil Martina schlichtweg die Beste ist.
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9 TAGE VOR SCHLUSS:
Ich muss dazusagen, dass dieser Blog über Tage hinweg entstanden ist.
Ich schreib immer mal wieder ein bisschen, weil alles einfach zuviel ist, um sich daran in einem Rutsch zu erinnern.
Vorgestern musste ich mich schon von Ana Maria verabschieden. Ihres Zeichens Chefin der Rezeption und damit meine direkte Vorgesetzte.
Sie hat jetzt die Woche Urlaub und ich hab sie damit zum letzten Mal gesehen.
Ich komm mit ihr klar, hab vielleicht keinen direkten Draht zu ihr, aber es ist okay.
Und dieser Abschied war schon traurig.
Und heute, als ich Arbeitsschluss hatte, hab ich so auf den Arbeitsplan geschaut und Abel, mon Amour, hat die nächsten zwei Tage frei und hätte Freitag erst mittags gearbeitet- ergo hätt ich ihn heut das letzte Mal gesehen.
Als ich das gecheckt hab, ists mir richtig in den Magen gefahren.
Ich hasse Abschiede, ich will mich nicht verabschieden.
Ich hasse hasse hasse es.
Diese Abschiede sind schlimmer als die von zuhause, weil ich da eben sagen konnt: „Also dann, Alter, wir sehn uns in 7 Monaten.“
Hier ist es höchstwahrscheinlich eher „Also dann, venga, auf Nimmerwiedersehen, schönes Leben.“
Und das will ich nicht.
Ich hatte zB grad mit Abel immer so elend viel Spaß beim Arbeiten.
Ich will das alles nicht zurücklassen. Ich will einfach nicht.
Vermutlich wird’s Freitag morgen so aussehn, dass ich mich schreiend an einer der Säulen in der Eingangshalle festhalt, während meine Mum und Clara mich versuchen, an den Füßen aus dem Hotel zu zerren.
Así es la vida. So ist das Leben.
Kaum fühlt man sich wohl an einem Ort, kaum hat man etwas oder jemanden gefunden, kaum ist man richtig angekommen – muss man weg, wird man fortgerissen, weil eben einfach immer weitergeht.
Was im Grunde ja auch gut ist, aber es ist einfach so schrecklich…. Traurig immer.
Schlichtweg traurig.
Ich will hierher zurück.
Wir haben schon alle gesagt (Wie man das eben so macht.), dass wir uns alle gegenseitig besuchen.
Roberto mich in Deutschland, Ich Roberto und Nuria in Madrid, zusammen nach Holland und Roberto und ich machen noch einen Abstecher nach Kroatien zu Martina.
Und einen Schlenker über Mallorca für Juan Antonio.
Es ist fast klar, dass das nur Geschwätz ist – so wie das immer ist.
„Natürlich besuchen wir dich, wir schreiben und skypen auch ganz oft ja? Ich besuch dich und du mich und wir telefonieren voll oft, halt mich auf dem Laufenden.“
Zwei Monate später ist alles an Kontakt über Facebook in Form von „Hi, wie geht’s?“ „Gut und dir?“ „Auch, muss weg, machs gut.“ „Tschau.“ abgewickelt und das wars.
Ich weiß, ich bin selbst so ein Mensch.
Ich bemüh mich zu wenig um die Menschen, die mir wichtig sind.
Wobei ich eigentlich hoffe, dass mir die Zeit hier n bisschen den Arsch in dem Sinne aufgerissen hat, damit ich nun endlich check, dass man für die Menschen die man liebt auch was tun muss.
Ich hoff, ich überanstreng euer mickriges Hirn nicht, wenn ich euch jetzt erzähle, dass ich schon seit einer Woche wieder in Deutschland bin.
Die Seiten davor sind noch auf Lanzarote entstanden und ich bin überrascht, wie gut ich die Zukunft vorhersehen kann.
Ich hab Heimweh nach diesem Hotel. Nach der Umgebung, der Arbeit, den Leuten.
Nach dem ganzen Lebensgefühl.
Deutschland ist so kalt. Alles in Deutschland ist kalt.
Vorallem die Menschen.
Ich fühl mich wie ins eisige Wasser geworfen, irgendwie.
Ich hatte damit gerechnet, dass ich mich erst wieder zurechtfinden muss, aber so?
Mich irritiert es unglaublich, kein Spanisch mehr zu hören.
Ich entschuldige mich auf spanisch, wenn ich aus Versehen jemand anremple. „Perdón.“ Statt „’Tschuldigung.“
Ich fluche auf Spanisch. Ich denke sogar manchmal noch auf spanisch.
Aber trotzdem merk ich, wie ichs jetzt schon verlern.
Wie abnormal schnell das geht, was geht bitte ab.
Würd ich nicht ab und an mit Roberto und den anderen über Skype reden, könnt ich in zwei Monaten wahrscheinlich nicht mal mehr meinen Namen sagen.
Aber weiter im Text.
Meine Umgebung ist erstaunlich unverändert geblieben. Ich find noch zu allen Orten, die ich schon vorher gekannt hatte. Ich kann immer noch Auto und Motorradfahren.
Und reiten, das kann ich auch noch.
Deutsch kann ich leider nicht mehr.
Deutsch kann ich leider nicht mehr.
Ein paar Menschen haben sich verändert- natürlich. Ich kann ja schlecht verlangen, dass sie in ihrer Entwicklung oder ihrem Leben stehen bleiben, nur dass wir dann so weitermachen können wie vorher sobald ich wieder da bin.
Bei mancher Person bin ich trotzdem traurig drüber.
Ich kenn ihr Leben gar nicht mehr.
Oder was auch ganz oft ist: „Boah leck, weisch noch, als wir da und da waren, das war sooooo klasse, so witzig, bester Tag meines Lebens ey.“ „Hä, wann, wo, wie, was?“ „Achneee, da warsch du ja gar nich dabei, Alter, da hasch voll was verpasst.“
Es stört mich nicht sonderlich, ich hab währenddessen ja selbst tollste Sachen erlebt, aber nach einer Weile ists ein wenig nervig.
Man ist einfach nicht mehr auf dem neusten Stand.
Was für mich als Attentionwhore und Klatschbase halt abnormal schlimm ist.
Ich langweile mich unendlich zur Zeit.
Ich bins nicht mehr gewöhnt, nichts zu tun. Die letzten 6 Monate habe ich beinahe jeden Tag gearbeitet und wenn nicht, dann konnt ich immer zwei Zimmer weiter gehen und mit jemanden quatschen. An Strand liegen oder weiß der Geier.
Dass ich das hier nicht kann, ist irritierend.
Ich vermisse meine Leute.
Wirklich.
Ich mein, der Flug nach Kroatien zu meiner beluved Martina ist schon gebucht und vielleicht kommt sogar Roberto mit, aber trotzdem: Es ist nicht dasselbe.
Jetzt, am Schluss meines total qualifizierten und objektiven Resumées zieh ich mal nen Strich
Und sag:
Ich bin gottfroh, gegangen zu sein.
Und ich danke wemauchimmermandajetztdankt, mir die Chance gegeben zu haben und mich in ein Hotel gesteckt zu haben, in dem ich mich so wohl gefühlt habe & das mir ein so tolles Zuhause war.
Weiterentwickelt hab ich mich glaub trotzdem nicht, LOL.
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So, meine Lieben.
Das wars.
Das wars, Schluss, Aus, Ende, Finito.
Ya está.
Ich habe fertig.
Irgendwie muss man sich ja profilieren.
Ich danke meinen drei, vier abartig treuen Lesern und auch denen, die nur einmal in 4 Monaten reingeschaut haben.
Mich freuts, gelesen worden zu sein.
Hasta luego, ade, war schee.