So steht es auf der Zigarettenschachtel hier direkt neben dem Laptop.
Noch eine Veränderung, die meine Zeit hier in Spanien mit sich gebracht hat: Ich bin Teilzeitraucherin geworden.
Ich finde es nicht schlimm, ich meine, ich rauche nicht viel und wenn ich von etwas überzeugt bin, dann dass ich jederzeit damit aufhören kann.
Ich rauche nicht, weil ich es brauche.
Sondern weil es vieles einfacher macht.
Kontakte knüpfen zum Beispiel.
Und damit meine ich nicht „Haste mal Feuer?“, sondern dass man sich rauchend leichter an Gruppen anschließen kann.
Wenn ich während der Arbeitszeit mal einen Kaffee trinken gehe, stehen vor dem Personalraum meistens ein paar Arbeiter herum. Sei es nun Restaurant, Küche oder Etage; sie alle rauchen.
Und dann stellt man sich eben dazu, weil man auch noch eine raucht und man kommt sehr leicht ins Gespräch.
Würde man sich ohne Kippe in der Hand dazustellen, heisst das ja, dass man was Konkretes will und nicht einfach nur noch 5 Minuten länger Pause machen.
Das habe ich eben gelernt: Mit Kippe zur Bekanntschaft.
Ich versuche gerade nebenher, ein wenig Bilanz zu ziehen.
Ich meine, ich bin 7 Monate von zuhause weg; weg von allem Altbekannten & Alteingesessenem, weg von meinen Freunden, meiner Familie, dem Typen, den ich vielleicht mal meine Liebe genannt hätte.
Auf zu neuen Ufern.
Bewusstseins-, Horizonterweiterung.
Grenzüberschreitung. Geographisch, psychisch und physisch.
Etwas, dass ich mir selbst nie zugetraut hätte.
Ich bin Rockzipfel- Miriam, die die sich nichtmal traut, etwas zurücklegen zu lassen.
In diesem Sinne hat mir die Arbeit hier was gebracht.
Ich gehe so leicht auf Menschen zu, ich habe keine Angst mehr vor Reaktionen… oder was auch immer mich früher davon abgehalten hat, die Rechnung im Restaurant zu bestellen.
Ich habe schlichtweg gelernt, dass die meisten Menschen nett sind, wenn man nur nett zu ihnen ist. Und dabei vielleicht mal sogar lächelt.
Ich nehme das Leben leichter.
Wenn ich hier etwas für mich mit nach Deutschland nehme, dann weniger Angst vor der Zukunft.
Wie mein Vater eigentlich schon immer gesagt hat: Es kommt wies’ kommt.
Und wenn nicht, dann anders.
Ich habe keine panische Angst mehr davor, nicht zu wissen, was ich den Sommer über machen werde.
Auch wenn uns heutzutage eingetrichtert wird, dass unser Lebenslauf das Wichtigste überhaupt ist und wir ständig etwas machen müssen, dass diesen besser aussehen lässt- wenn du nicht weißt, was du willst, dann bringt es dir auch nichts etwas zu machen, von dem du dir sicher bist, dass du es nicht willst.
Fang an das zu studieren, was dich einfach mal auf den ersten Blick anmacht.
Bewirb dich für Philosophie, Psychologie, Archäologie, Sport, Lehramt für Grundschulmathe, Deutsch für Hörgeschädigte.
Ich habe hier Menschen kennengelernt, die sind 28 und haben soviel erlebt.
Soviel.
Überlegt mal, wo war unserdeutschereins schon mit 28?
Abi, Bachelor, Master, vielleicht ein Auslandssemester, Beruf.
Versteht ihr, was ich irgendwie ausdrücken will?
Die Leute hier leben viel mehr.
Die haben mehr von ihrem Leben.
Die können was erzählen, wenn sie alt sind.
Ich will auch was erzählen können.
Ich will einfach hin- und hergeweht werden.
Oder wie der schwule Bassist einer unbekannten Band eines kleinen, abgefuckten Pubs sagte: „Si no te gusta dónde estas, mueva.“
Wenn es dir dort, wo du bist, nicht gefällt - zieh um.
Ich will nach Norwegen- einfach weil mir das wenige, was ich darüber weiss, gefällt.
Weil wir hier so viele Norweger und Dänen und Schweden und Finnen hatten, dass ich sehen will, wo die herkommen.
Ich will Sprachen lernen, denn Sprachen öffnen einem mehr Türen als jedes Wirtschaftsstudium.
Und zwar weniger die Karrieretüren als die Haustüren.
Ich habe keine Ahnung, was ich konkret vom Leben will aber ich nehm das, was es mir gibt.
Wenn mich jemand fragt, wo ich mich in 20 Jahren sehen, hätte ich früher geantwortet: Ein Job, der mich ausfüllt, einen liebenden, reichen, gutaussehenden Ehemann, zwei Kinder (ein Junge, ein Mädchen), einen Hund, ein Auto und einen Garten.
Heut würde ich die Achseln zucken und sagen: „npí.“ (Ni puta idea.)
Und das finde ich super.
Meine Sicht hat sich einfach verändert.
Wenn sie nicht aufgeklart hat, dann hab ich zumindest eine Brille auf, die alles lässiger macht.
Wie auch immer das jetzt in den Kontext passt.
Das einzig Negative, was sich an mir jetzt so verändert hat, ist mein Gewicht.
Bin dick, das find ich ungut.
Welch tiefenphilosophischer Endsatz.